Das
Jakobskreuzkraut
Ein
Thema, das nicht wirklich neu ist, beschäftigt uns in den letzten
Jahren besonders: Die Verunreinigung von Weiden durch Jakobskreuzkraut.
Mehr geworden ist dies durch immer mehr brachliegende Flächen.
Wir
selbst haben einen geringen Befall und rupfen diesen per Hand mit Wurzel
aus. Dann kommt er in die Kompostieranlage des Landkreises. Dort herrschen
Temperaturen über 80° und damit wird die Saat eliminiert. Alleine
schon weil die Gartenbesitzer dort Unmengen von Quecken und anderem
ungeliebtem Zeug anliefern, muss dieses so erhitzt werden, da man dann
den kompostierten Boden wieder für den Garten kaufen kann. Dies
ist also die rechtmässige Entsorgung für kleinere Mengen.
Grösseren
Mengen kann man nur durch chemische Vernichtung beikommen, was bei Naturschutzflächen
natürlich ein Problem darstellt. Es gibt allerdings Ausnahmegenehmigungen.
Nicht
vergessen sollte man bei dem Thema, dass ein Tier von der Aufnahme dieses
Krautes nicht sofort dahingerafft wird, sondern dass es sich in der
Leber anreichert und erst langsam zu einer Vergiftung führt, dieser
Prozeß zieht sich u.U. über Jahre hin, je nach Menge der
Aufnahme. Normalerweise meiden die Tiere dieses Kraut, ein Problem stellt
es hauptsächlich beim Winterfutter dar. Darum ist es besonders
wichtig, von befallenen Wiesen kein Winterfutter zu bergen.
Kontroverse Diskussionen gibt es zwischen Landwirtschaftskammer und
Naturschützern, hier möge sich jeder selbst ein Bild machen:


So
sieht das Jakobskreuzkraut aus:


Konkurrenz
für die Galloways in der Landschaftspflege:
Die Heckrinder - Was ist das?
In
letzter Zeit machen uns gerade auf Naturschutzflächen die sogenannten
Heckrinder Konkurrenz. Immer wieder liest man in örtlichen Zeitungen
darüber, die über Aktivitäten in Schutzgebieten berichten.
Mit dem Erscheinen der Heckrinder in unserer Landschaft ist auch ein
Stück unserer eigenen Naturschutzgeschichte verbunden, die jahrzehntelang
nur unter Eingeweihten und das meist hinter vorgehaltener Hand kolportiert
wurde. Die Bezeichnung der NEUZÜCHTUNG (nämlich keine Rückzüchtung)
geht auf zwei Zoodirektoren zurück, den Berliner Zoodirektor Lutz
Heck und seinen Bruder Heinz, dem Leiter des Münchner Zoos. Lutz
Heck war 1938 von Hermann Göring - als dem zuständigen Minister
für den Naturschutz - die Leitung der Abteilung Naturschutz im
Reichsforstamt übertragen worden. Es war natürlich eine politisch
motivierte Berufung.
Bereits in den zwanziger Jahren war Lutz Heck zu den in jener Zeit aktiven
Naturschützern gestoßen und er präsentierte auf vielen
Veranstaltungen seine Rettungsbemühungen um das Wisent. Sein Traum
war, ein großes Reservat als "Urwildschutzpark" in Ostpreußen
zu schaffen. Zunächst wollte er die Tierarten aus der germanischen
Vorzeit in seinem Zoo züchten. Bei der Auswahl der Tierarten, die
einst von den Germanen in der Wildbahn gejagt wurden, stieß der
Zoomann Heck auf eine Schwierigkeit: Das wehrhafteste Wildtier, der
Auerochse oder Ur, war seit 1624 ausgestorben.
Nach vorhandenen Bildvorlagen und Knochenfunden durchkämmte Lutz
Heck Europa nach alten, wenig umgezüchteten Rinderrassen. Er wurde
auf Korsika, in Spanien und Ungarn fündig. Zusammen mit seinem
Bruder Heinz gelange es ihm, nach jahrelangen Zuchtexperimenten einige
Rinder zu präsentieren, die in ihrem Aussehen dem ausgestorbenen
Wildrind glichen. Er war so begeistert von seiner Zuchtproduktion, daß
er seine neugezüchteten "Urrinder" 1937 dem Jagdherrn
des Deutschen Reiches, Hermann Göring, vorführte mit dem Vorschlag,
diese Tiere als künftiges Jagdwild in die deutsche Wildbahn einzubringen.
Ein Jahr vor Ausbruch des Krieges wurden ein Bulle und sechs Kühe
in Rominten in Ostpreußen freigelassen. Allerdings sorgten Jagdkommandos
der Roten Armee dafür, dass diese Rinder in den Gulaschkanonen
russischer Soldaten landeten.
Nur in den Zoos von München und Wuppertal war ein kleiner Zuchtstamm
übrig geblieben. Diese Kreuzungen wurden Gegenstand heftiger fachlicher
Auseinandersetzungen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt
sich eine einmal ausgestorbene Tierart nicht "rückzüchten".
Eine erbreine Rückzüchtung aus einer so geringen Zahl von
Ausgangstieren, wie sie zur Verfügung standen, seien in so wenigen
Generationen nach Ansicht von Erbbiologen praktisch ausgeschlossen.
Lutz Heck verkündete dennoch 1941, dass der "ausgestorbene
Auerochse im Dritten Reich wieder auferstanden sei". Durch seine
große Nähe zu Hermann Göring hat er außerdem dazu
beigetragen, daß seine Zuchtprodukte in der Nachkriegszeit mit
einer "braunen Weste" belastet wurden und eine Werbung für
das Weiterzüchten dieses angeblichen Auerochsen war fortan in Deutschland
nicht mehr opportun.
Holländische Naturschützer haben sich dann die Überrreste
der Zuchtproduktionen aus den westdeutschen Zoos geholt und am Ijssel
Meer ausgewildert. Sie deklarierten unter Berufung auf Lutz Heck ihre
Zootiere als "Wildtiere". Damit konnten sie die strengen Tierseuchen-Bestimmungen
ihres Landes umgehen. Sie bezeichneten ihre Importe allerdings nicht
als "rückgezüchtete Auerochsen", sondern einfach
als "Heckrinder" nach dem inzwischen verstorbenen Zoodirektor.
Und so kommt es, daß nun auch Deutschland diese Rinder in Holland
"wiederentdeckt" hat und allenthalben behauptet wird, sie
seien ideal zur Landschaftspflege.
Den Artikel habe ich größtenteils von Henry Makowski
übernommen. Eines persönlichen Kommentares über die Heckrinder
werde ich mich enthalten, dachte aber, vielleicht interessiert den ein
oder anderen, wo sie eigentlich herkommen.
(Renate
Prior)